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Einmalige Chance für die deutsche Bildungslandschaft
Das Deutschlandstipendium kommt bundesweit voran. Das zeigt eine erste Online-Studie. Durchgeführt hat sie Michael Beier, Fundraiser und Marketingchef der Stiftung Universität Hildesheim. Wir sprachen mit ihm über die Chancen zu einer neuen Stipendienkultur.
Michael BeierMichael Beier kann zufrieden sein. Die Stipendienquote zum Start des neuen Stipendienprogramms hat der Fundraiser an der Universität Hildesheim schon im Sommersemester voll ausgeschöpft. Zuvor wollte er allerdings genau wissen, wie das Deutschlandstipendium bundesweit angenommen wird und wie der Spendenmarkt aussieht. An seiner Online-Studie beteiligten sich 40 Prozent aller deutschen Hochschulen. Parallel dazu befragte Michael Beier Unternehmen und Stiftungen und wertete weitere Daten zur Spendenbereitschaft der Deutschen, die Internetpräsenz des Deutschlandstipendiums auf den Hochschulseiten und das Medienecho zum Deutschlandstipendium aus.
Herr Beier, zum Sommersemester ist an den ersten deutschen Hochschulen das Deutschlandstipendium gestartet. Sie haben im Vorfeld eine Online-Befragung initiiert. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse?
Wir haben 368 Hochschulen angeschrieben, rund 200 haben geantwortet, davon 157 qualifiziert. 90 Prozent der Hochschulen gaben an, dass sie am Deutschlandstipendium teilnehmen. Immerhin mehr als ein Drittel zeigte sich überzeugt davon, dass das Deutschlandstipendium die Stipendienkultur in Deutschland belebt. Überrascht hat mich, dass die meisten Unternehmen ihre Förderbereitschaft gar nicht so sehr in Verbindung mit dem Fachkräftemangel bringen, sondern eher mit der Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme mit dem Nachwuchs und der eigenen Imagepflege an den Hochschulen.
Was schließen Sie zum jetzigen Zeitpunkt daraus?
Grundsätzlich zeigt sich, dass das Deutschlandstipendium eine riesige Chance ist, an die Traditionen der Stipendienkultur in Deutschland aus dem 19. Jahrhundert anzuknüpfen und eine engere Verbindung zwischen Bürgergesellschaft und Hochschulen herzustellen. Die stärkere Identifikation in den Regionen mit den jeweiligen Hochschulen vor Ort kann für alle Beteiligten nur von Nutzen sein. Auch profitiert der gesamte Bildungsprozess in den Regionen von einer stärkeren Teilhabe der Hochschulen.
Wo liegen die größten Schwierigkeiten?
Auf der einen Seite sehen wir einen Wandel im Image des Deutschlandstipendiums. Zu Beginn gab es nur kritische Stimmen, jetzt wird die Wahrnehmung in den Hochschulen und in den Medien positiver. Die Akzeptanz nimmt zu. Auf der anderen Seite müssen wir uns nüchtern vor Augen führen, dass die Spendenbereitschaft der deutschen Bundesbürger seit Jahren kontinuierlich sinkt. Das kann man an der Einkommenssteuerstatistik und an verschiedenen Umfragen ablesen. 40 Prozent aller Bundesbürger spenden rund 5 Milliarden Euro pro Jahr. Im Durchschnitt spendet jeder von ihnen jährlich 200 Euro. Aber nur neun Euro davon wandern in die Bildung. Wir müssen also ein neues Spendenvolumen erschließen. Das ist der schwierigste Part, und den werden die Hochschulen aus eigenem Vermögen nur langfristig meistern können.
Das BMBF unterstützt die Hochschulen bei der Akquise durch Schulungen und durch eine Fundraisingpauschale. Wie ließen sich denn noch mehr Förderer gewinnen?
Ich denke da an dezentrale Anlauf- und Koordinierungsstellen etwa nach dem Vorbild der Kompetenzzentren der Kultur- und Kreativwirtschaft in den Bundesländern. Als Ankerplätze für den Aufbau einer Stipendienkultur ließen sich die elf Metropolregionen nutzen. Mit ihren Arbeitskreisen, in denen Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten, kann man die regionale Akquisition für die Hochschulen hervorragend stärken und das Programm behält seine dezentrale Ausrichtung.
Was könnte konkret noch mehr Fördererbereitschaft wecken?
Hier kann ein Kuratorium aus bereits engagierten Stiftern mehr erreichen als 120 Fundraiser an 368 Hochschulen. Dem Aufruf von Bill Gates und Warren Buffet in der Initiative "Giving Pledge" folgten weltweit bisher 70 Milliardäre, darunter aber kein einziger aus Deutschland. Doch wir haben hier in der Wissenschaft sehr großzügige und engagierte Großspender wie Herrn Hopp, Herrn Plattner, die Familie Reemtsma, die Familie Jacobs, um nur einige zu nennen. In einem eigens eingerichteten Kuratorium könnten diese Vorbilder maßgeblich dazu beitragen, den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland durch eine stärkere Verzahnung von Zivilgesellschaft und Hochschulen nach vorne zu bringen.
Noch stehen wir nach nur einem Semester am Anfang. Was lässt sich trotzdem jetzt schon über den Trend sagen?
Der Trend ist positiv. Waren es im Frühjahr noch weniger als zehn Prozent der Hochschulen, die auf ihrer Internetseite für das neue Stipendienprogramm warben, so sind es im Juli mit Blick auf das kommende Wintersemester um die 40 Prozent gewesen. Das ist für den Anfang ein beachtlicher Erfolg. In Zahlen wird man das natürlich erst belegen können, wenn die Länder an den Bund berichten, wie die Fördermittel abgerufen worden sind. Grundsätzlich ist das Deutschlandstipendium eine große Chance für die Bildungslandschaft und es bleibt zu hoffen, dass seine zahlreichen Vorteile die Spendenbereitschaft rasch vergrößern.
Bei allen anfänglichen Hürden, gibt es etwas, das Sie im Rahmen Ihrer Fördererakquise besonders gefreut hat?
Ich freue mich grundsätzlich sehr über das gute Engagement der Unternehmen und Banken als Partnerunternehmen im Umfeld unserer Universität, und ich freue mich ganz besonders über die privaten Spender, bei denen das Interesse spürbar steigt, sich sowohl durch materielle, als auch durch ideelle Unterstützung der Bildung eines jungen begabten Menschen anzunehmen. Das ist doch eine schöne Form von Generationensolidarität.
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