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Marathonlauf für den Bildungsstandort Deutschland
"Eine Stipendienkultur für Deutschland ist uns allen eine Herzensangelegenheit", sagt Thomas Sattelberger. Im Interview erläutert der Vorsitzende des Beirats Deutschlandstipendium und ehemalige Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, worauf es ein Jahr nach dem Start ankommt.
Thomas Sattelberger, Vorsitzender des Beirates Deutschlandstipendium.
Foto: © Deutsche Telekom AGHerr Sattelberger, der Beirat Deutschlandstipendium berät das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Deutschlandstipendium. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Wir sind dafür da, durch gute professionelle Beratung für die Weiterentwicklung des Deutschlandstipendiums zu sorgen. Dabei wird lebhaft und auch kontrovers diskutiert. Die Diskussionen profitieren von den unterschiedlichen Erfahrungshintergründen der Beiratsmitglieder. Eines ist mir besonders aufgefallen: Das Thema Stipendienkultur ist allen eine Herzensangelegenheit.
Wie weit sind wir denn mit einer Stipendienkultur in Deutschland?
Eine Stipendienkultur aufzubauen geht nicht auf Knopfdruck, es ist wie ein Marathonlauf. In Deutschland sind wir gerade einmal beim ersten Drittel angekommen. Mit dem Deutschlandstipendium haben wir allerdings in vergleichbar kurzer Zeit schon einiges bewegt. Dass hier zu Lande inzwischen doppelt so viele staatlich unterstützte Stipendien vergeben werden wie noch in 2005, daran hat auch das neue Stipendienprogramm seinen wichtigen Anteil.
Wo gibt es Ihrer Meinung nach den größten Handlungsbedarf?
Das Thema Alumnikultur ist aus meiner Sicht ein Schlüsselthema, gerade auch für das Deutschlandstipendium. Die Wirtschaft soll und darf nicht das einzige Standbein der Förderung sein. Wir brauchen mehr Absolventinnen und Absolventen, die sich ihrer Alma Mater verpflichtet fühlen, und zwar nicht nur rational, weil sie ihnen den Abschluss ermöglicht hat, sondern auch emotional. Hier haben die Hochschulen in Deutschland noch einiges aufzuholen. Davon wird dann auch das Deutschlandstipendium profitieren. Übrigens: Auch Privatleute sind ein wichtiges Standbein.
Wie sieht es denn mit der Bereitschaft der deutschen Wirtschaft aus, ihren eigenen Beitrag zum Gelingen des Deutschlandstipendiums zu leisten?
Ich glaube, dass wir hier noch ein ganzes Stück Wegstrecke vor uns haben. Wir brauchen mehr Unternehmen, die nicht nur aus kurzfristigen Rekrutierungsmotiven heraus fördern wollen, sondern weil sie Talente im Lande generell unterstützen wollen. Es braucht einfach einen langen Atem, viele Unternehmen davon zu überzeugen, etwas für das Gemeinwohl zu tun, ohne daraus einen unmittelbaren Nutzen zu ziehen. Wir wollen weitere namhafte Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft und Kultur gewinnen, die sagen: "Ja, wir stehen zu so einer Stipendienkultur".
Es sind ja noch nicht alle deutschen Hochschulen beim Deutschlandstipendium dabei, wie kann man auch die verbleibenden dafür gewinnen?
Zunächst einmal ist es ein toller Erfolg, dass Dreiviertel aller 388 Hochschulen mitmachen. Zum anderen bin ich optimistisch, dass die restlichen Hochschulen sich beteiligen werden, um den Zug nicht zu verpassen. Das zeichnet sich jetzt ja auch schon ab. Bei der Fächerverteilung müssen wir Acht geben. Gerade im Bereich der Geisteswissenschaften sehe ich noch Ausbaupotenzial.
Was hat sich denn der Beirat Deutschlandstipendium für die nächste Zeit vorgenommen?
Ganz wichtig ist uns, bei den verschiedenen Auswahlverfahren zur Stipendienvergabe Transparenz zu schaffen und Erfahrungen auszutauschen, um im guten Sinne voneinander zu lernen. Beim Thema Fundraising möchten wir ebenfalls den Erfahrungsaustausch zwischen den Hochschulen unterstützen.
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