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"Die Gesellschaft in die Universität holen"
Mit Sonder-Botschafterin zum Erfolg: Wie die Heinrich-Heine-Universität Stifter findet
Bei der Förderer-Akquise zum Deutschlandstipendium zählt die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bundesweit zu den führenden Hochschulen. Insbesondere Privatpersonen konnte sie gewinnen. Sogar eine eigene Botschafterin gibt es seit 2011: Dr. Hannelore Riesner. Im Interview spricht sie über erfolgreiche Strategien, überzeugende Argumente und engagierte Stifter.
Im Gespräch: PD Dr. rer. nat. Hannelore Riesner. © Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Frau Riesner, was ist das Erfolgsrezept der Heinrich-Heine-Universität beim Fundraising?
Wir haben unseren Förderern erfolgreich vermittelt, dass es notwendig ist, kluge Köpfe für die Zukunft zu unterstützen. Es gibt viele Förderprogramme für die Bereiche Studium, Schule und Soziales – aber es ist wichtig, auch Leistung zu fördern.
Was heißt das konkret?
Sehr viele Hochschulen sind daran interessiert, Unternehmen als Förderer zu gewinnen. Das ist gut und richtig. Aber wir wollen auch verstärkt Privatpersonen einbinden. Junge Leute sind unsere Zukunft. Indem man sich für sie engagiert, zeigt man seine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Und es ist ein unheimlich wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Generationenbeziehungen. Wir haben zum Beispiel ältere, kinderlose Förderer, die einen Teil ihres Vermögens in gute Hände geben möchten. Es gibt mittlerweile Personen, die 30 Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten fördern – das ist so viel, wie bei manchem Unternehmen.
Wo finden Sie Ihre Stifter?
Ich halte Vorträge und spreche viele Menschen bei gesellschaftlichen Anlässen an. Auch werden durch Berichte über positive persönliche Erfahrungen von engagierten Förderern andere auf das Stipendienprogramm aufmerksam. Zum Beispiel können Förderer an Veranstaltungen der Universität wie Empfängen, Konzerten oder wissenschaftlichen Vorträgen teilnehmen. Dort treffen sie auf weitere potenzielle Förderer. So entsteht eine Art Community, die Wissenschaft und Bildung unterstützt. Damit holen wir die Düsseldorfer Gesellschaft erfolgreich in die Universität.
Ganz wichtig ist im Deutschlandstipendium-Programm der Universität der persönliche Kontakt zwischen Förderern und Stipendiaten. Welche Vorteile hat das?
Bei uns fließt das Geld nicht anonym. Beide Seiten sehen sich in der Regel mehrmals im Jahr zu unterschiedlichen Gelegenheiten. Dazu gehören die feierliche Übergabe der Urkunden und interdisziplinäre Treffen der Geförderten aus den verschiedenen Fakultäten mit kurzen Fachvorträgen. Firmen, Stiftungen und die privaten Stifter laden die Stipendiatinnen und Stipendiaten sehr gerne ein. In unserem Programm geben die Förderer der jüngeren Generation nicht nur Geld mit auf den Weg, sondern ebenfalls ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung. In Umfragen haben wir herausgefunden, dass die Geförderten so noch motivierter sind, ihre guten Leistungen zu erhalten. Viele wünschen sich sogar einen intensiveren Austausch.
Und dieser Kontakt zu den Stipendiatinnen und Stipendiaten überzeugt dann auch potenzielle neue Förderer?
Ja, die Stifter lernen persönlich die besten Köpfe der jungen Generation kennen und helfen damit, diese für ein Fach, eine Region oder zumindest für unser Land dauerhaft zu gewinnen.
Sie und Ihr Ehemann unterstützen aus eigenen Mitteln zehn Bachelorstudenten. Das sind 1.500 Euro monatlich – woher rührt dieses große private Engagement?
Als ich Biologie studiert habe, wurde ich im zweiten Semester schwanger. Das war zur damaligen Zeit nicht einfach. Ich hatte nicht viel Geld, musste hart arbeiten, aber ich hatte ein Ziel. Da war jede Unterstützung finanzieller Art wichtig, aber auch die Anerkennung meiner Leistung, dass ich es schaffe. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch junge Studierende heute in diesen beiden Richtungen zu unterstützen.
Sie haben Biologie studiert, in Naturwissenschaft promoviert, sich in Medizin weitergebildet, in Sportwissenschaft habilitiert, zwei Kinder groß gezogen und waren viele Jahre Direktorin der Trainerakademie in Köln. Wie haben Sie all das geschafft? Was raten Sie Stipendiatinnen und Stipendiaten für ihren Weg?
Damals habe ich von verschiedenen Seiten gehört: „Du wirst ja wohl jetzt aufhören und dich voll und ganz um die Familie kümmern!“ Da habe ich gesagt: „Warum? Ich will studieren!“ Also hab ich es durchgezogen. Und wenn der Kleine nachts geschlafen hat, habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt. Als junger Mensch darf man sich natürlich erst mal ausprobieren, aber irgendwann sollte man eine klare Vorstellung haben, was man möchte. Als Leistungssportlerin habe ich gelernt: Wenn man eine Leistung erbringen will, muss man sich sehr stark engagieren, konzentrieren und zielbewusst handeln.
Zur Person
PD Dr. rer. nat. Hannelore Riesner studierte in Leipzig Biologie. Nach ihrem Abschluss promovierte sie in Biologie an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, bildete sich in der theoretischen Medizin weiter und habilitierte in Sportwissenschaft in Bonn. Die Hochschullehrerin ist mit dem Universitätsprofessor Dr. Detlev Riesner verheiratet, der zu den Gründern von Deutschlands größtem Biotech-Konzern Qiagen gehört. Hannelore Riesner hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Düsseldorf. Gemeinsam mit ihrem Mann gehört sie dem Kuratorium der privaten Stiftung „Gründerstiftung zur Förderung von Forschung und wissenschaftlichem Nachwuchs an der HHU Düsseldorf“ an. Seit 2009 engagiert sie sich für das NRW-Stipendium, seit 2011 ist sie Botschafterin für das Deutschlandstipendium an der Universität.
Kontakt
Heinrich-Heine-Universität
Frau Janine Janus
Stabsstelle Stipendien
Telefon: 0211 8115915
E-Mail: janus@zuv-uni-duesseldorf.de
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